Kaum ein anderer Tag wecke so viele Emotionen, wie der Nikolaus Tag, solange die lieben Kleinen noch an den Heiligen glauben. Kinder sind sehr empfänglich für die Drohungen, die im Namen des Knecht Ruprecht und des Nikolaus oft einmal von den Eltern oder Großeltern ausgesprochen werden. Der Heilige, der die Kinder mit seinem schwarzen und goldenen Buch besucht, den finsteren Knecht in seinem Gefolge, macht Eindruck. Da kann es schon einmal passieren, dass der Schnuller, der so gerne noch im Mund gelassen wird, von den Kleinen ganz schnell versteckt wird, dass sie ihn nicht dem grimmigen Ruprecht aushändigen müssen. Die Ankündigung der Eltern war ja eindeutig. Wenn man ihn nicht selbst hergibt, kassiert ihn der Nikolaus und die Gefahr, im Sack zu landen, wie im Struwwelpeter Buch eindeutig beschrieben, ist viel zu hoch.
Selbst die Kinder, die im Allgemeinen als Lausejungen oder kleine freche Gören verschrien sind, werden zu wahren Lämmchen, wenn der 6. Dezember näher rückt. In der Schule und im Kindergarten sind die beiden bemantelten Gesellen regelmäßiger Gast, und zum Leidwesen mancher Kinder trifft man ihn in der Woche um dieses Datum auch noch im Einkaufsmarkt. Bis es holpert und poltert, mit der Kette rasselt, an die Türe klopft und Nikolaus mit Knecht Ruprecht eintritt, steigt die Spannung ins Unermessliche.
Da wird schon einmal sehr fleißig das Gedicht wiederholt, dass man es ja schön aufsagen kann. Bis sich heraus stellt, dass es wieder einmal nicht für den Sack gereicht hat, und man sogar noch etwas geschenkt bekommt, haben die Eltern die bravsten Kinder, die man sich nur vorstellen kann.
